Presse


 Angespannte Wohnsituation verschärft Lage in Frauenhäuser

von Helen Schindler / Frankfurter Rundschau

Frauenhaus-Situation in Hessen ist sehr dramatisch.
+
Die Frauenhaus-Situation in Hessen ist sehr dramatisch.

Häusliche Gewalt

Wegen des schwierigen Wohnungsmarkts in Frankfurt und Offenbach bleiben Frauen oft länger als nötig im Frauenhaus. Die Mitarbeiterinnen fordern mehr Unterstützung.

In Frankfurt und Offenbach gibt es zu wenige Frauenhausplätze, immer wieder müssen Schutzsuchende abgewiesen werden. Doch im Gespräch mit Mitarbeiterinnen der Häuser wird deutlich, dass mehr Plätze allein das Problem nicht lösen würden. Denn die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt spielt eine entscheidende Rolle.

Im Offenbacher Frauenhaus fehlten mindestens zwei Familienzimmer, sagt Gloria Schmid vom Verein Frauen helfen Frauen, der das autonome Haus betreibt. Um diese zusätzlichen Kapazitäten zu schaffen, hatte die SPD einen Antrag auf eine Platzerweiterung gestellt, den die Stadtverordnetenversammlung im November vergangenen Jahres ablehnte – mit dem Hinweis, dass zunächst eine Bedarfsanalyse erfolgen solle. „Unsere Sorge ist, dass die Analyse den Prozess verzögert, dabei haben wir einen konkreten Bedarf“, sagt Schmid. „Sobald wir einen Platz als frei melden, klingelt das Telefon, und er ist Stunden später wieder besetzt.“

 

Weil das Gebäude seit September einen Wasser- und Schimmelschaden habe, könnten die ohnehin begrenzten Platzkapazitäten nicht voll genutzt werden. „Seit September mussten wir 39 Frauen und 64 Kinder weitervermitteln“, sagt Schmid. „Im Zweifel geht es um Leben und Tod. Das ist schon gruselig, wenn die Frauen und Kinder nicht unterkommen können.“

 

Die Corona-Pandemie verschärfe das Problem der Platzkapazitäten, sagt Hilke Droege-Kempf vom Verein Frauen helfen Frauen, dem Betreiber des autonomen Frauenhauses in Frankfurt. 60 Plätze stehen normalerweise zur Verfügung, aber wegen Corona dient eines der Gebäude als Quarantänehaus, so dass eine 100-prozentige Auslastung derzeit nicht möglich ist.

Auch in normalen Zeiten müssen Frauen an andere Häuser verwiesen werden, allerdings macht Droege-Kempf deutlich: „Die Forderung nach mehr Frauenhausplätzen ist sicher richtig, aber nicht die alleinige Lösung des Problems. In den Ballungsgebieten ist die Wohnungsnot ein riesiges Problem. Die Frauen wohnen extrem lange im Frauenhaus, weil sie keine Wohnung finden.“

In Frankfurt werde die Situation dadurch erschwert, dass man den Anspruch auf eine öffentlich geförderte Wohnung erst erhalte, nachdem man mindestens zwölf Monate in der Stadt gelebt habe. Laut Droege-Kempf erfüllen das circa 40 Prozent der Frauen nicht, weil sie aus anderen Gemeinden kommen. Deshalb fordere sie schon lange, die Einjahresregelung für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, auszusetzen. Auch müsse es eine prozentuale Belegung der öffentlich geförderten Wohnungen mit Fällen von häuslicher Gewalt geben.

Dass sich die Situation in den vergangenen Jahren verschärft hat, verrät ein Blick auf die Zahlen: 2010 konnten 21 Frauen aus dem Frauenhaus in eine eigene Wohnung ziehen, 2018 nur acht. 2010 wohnten insgesamt 135 Frauen und 131 Kinder im Frauenhaus, während es 2018 nur 99 Frauen und 102 Kinder waren. Weil Frauen mangels Wohnung im Schnitt länger im Frauenhaus bleiben, fehlen Kapazitäten. „Die Lösung ist nicht, ein Frauenhaus nach dem anderen zu bauen. Wir müssen uns vielmehr fragen, wie wir die Frauen mit Wohnungen versorgen können“, fordert Droege-Kempf.

In Offenbach sieht die Situation ähnlich aus, berichtet Gloria Schmid. Im Schnitt verbrächten die Frauen sechs Monate in der Einrichtung, manche bis zu einem Jahr. Zwar gebe es Vereinbarungen mit Wohnungsbaugesellschaften, die den Frauen mehr Chancen auf eine Wohnung eröffneten. Diese stagnierten aber. „Wir bräuchten politische Unterstützung, eine Form von Vorgriffsrecht“, sagt Schmid.

Etwas komfortabler gestaltet sich die Situation in den zwei Frankfurter Frauenhäusern, die der Verein für Soziale Heimstätten betreibt. Da sie Bestandteil eines großen Vereins sind, kämen schutzsuchende Frauen in der Regel immer unter, sagt Christine Heinrichs. Sind die Frauenhäuser voll, stünden andere Notunterkünfte zur Verfügung. Auch sollen in den nächsten Monaten 26 weitere Schutzplätze hinzukommen. Und für Frauen, die nach ihrem Aufenthalt keine Wohnung finden, bietet der Verein Übergangswohnungen an.

Dass nach dem Gewaltschutzgesetz eigentlich der gewalttätige Mann die Wohnung verlassen müsste, sei lediglich Theorie, sagt Heinrichs. „Auf ein Näherungsverbot ist kein Verlass. Das ist eine richtige politische Forderung, lässt sich aber in der Praxis schlecht umsetzen.“

Quelle: https://www.fr.de/frankfurt/frankfurt-angespannte-wohnsituation-verschaerft-lage-in-frauenhaeusern-90207548.html?fbclid=IwAR1WWSWgffALt15AM5bgaLI3oCF4v_RrI-YIGm1fWH4pr1bKFbkOtn3DMc0


 

Hessen: Schutz vor Gewalt gegen Frauen und Kinder unzureichend

von Helen Schindler/Frankfurter Rundschau

Aktivist:innen gehen gegen Gewalt an Frauen auf die Straße. christoph boeckheler


Die Umsetzung der Istanbul-Konvention in Hessen weist Lücken auf, es fehlen massenhaft Plätze in Frauenhäusern. Derweil sieht sich die Stadt Frankfurt auf einem guten Weg.

Vor drei Jahren ist die Istanbul-Konvention in Deutschland in Kraft getreten. Seitdem ist der Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen in Deutschland ein Menschenrecht. Die Konvention verpflichtet Bund, Länder und Kommunen, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu bekämpfen und dieser vorzubeugen. In Hessen hat sich über Jahrzehnte hinweg ein Netzwerk von Unterstützungsangeboten gebildet und die Landesregierung hat sich die Umsetzung der Istanbul-Konvention im Koalitionsvertrag zum Ziel gesetzt. Doch die in der Konvention vereinbarten Ziele werden bisher nicht ausreichend umgesetzt.

Laut Sozialministerium investiert Hessen in Projekte zur Prävention und für einen besseren Schutz von Frauen vor Gewalt und hat die Mittel zum Schutz vor Gewalt und sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen „erheblich aufgestockt“. Einige Aspekte der Konvention, wie das Verbot von Ehre als Rechtfertigung für Gewalttaten, werden bereits angegangen. Aktuell arbeitet eine Arbeitsgruppe des Landespräventionsrats an einer dritten Auflage des Aktionsplans zur Bekämpfung der Gewalt im häuslichen Bereich.

Auch hat Hessen laut Julia Schäfer, Geschäftsführerin des Landespräventionsrats und Leiterin der Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt, die Täterarbeit mehr in den Fokus genommen, „um Täter aus der Gewaltspirale rauszuholen, weitere Taten zu verhindern und Präventionsarbeit zu leisten“. Zudem soll das Marburger Modell hessenweit ausgeweitet werden, bei dem die Gerichtshilfe Opfer und Täter innerhalb von drei Tagen nach einem Vorfall von häuslicher Gewalt aufsucht und Beratungs- beziehungsweise Trainingsangebote vermittelt. „Zu weiten Teilen erfüllen wir die Anforderungen der Istanbul-Konvention schon“, sagt Schäfer.

 

Lücken bei der Umsetzung

Dennoch gibt es Lücken bei der Umsetzung. Dazu gehört, dass es noch keine landesweite Koordinierungsstelle für die Umsetzung der Maßnahmen, wie sie in der Konvention festgehalten ist, gibt. In einem Appell an die Landesregierung, den unter anderem die Landesarbeitsgemeinschaften der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten, der Frauenhäuser, der Frauennotrufe und der Beratungsstellen unterzeichnet haben, heißt es, Hessen werde den Vorgaben der Konvention „bei Weitem nicht gerecht“. Benötigt werde „zwingend eine Koordinierungsstelle mit ausreichend finanziellen Ressourcen und weitgehendem politischen Mandat, um die Umsetzung der Konvention sicherzustellen“. Das hessische Sozialministerium weist darauf hin, dass es koordinierende Aufgaben derzeit selbst wahrnehme.

Während Hessen noch auf eine Koordinierungsstelle wartet, hat Frankfurt bereits eine eingerichtet. Auch sonst ist Frankfurt bei der Umsetzung der Konvention recht aktiv. Bis Mai sollen 26 weitere Frauenhausplätze geschaffen werden. Zudem wurden bereits zwei Plätze im Autonomen Frauenhaus in Regelplätze umgewandelt, was bedeutet, dass auch Frauen, die keinen Sozialleistungsanspruch haben, aufgenommen werden können. Darüber hinaus soll ein Dolmetscherinnenpool ausgebaut werden. Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für Soziale Heimstätten, der in Frankfurt zwei Frauenhäuser betreibt, betont, dass Frankfurt schon vor Inkrafttreten der Istanbul-Konvention gut aufgestellt gewesen sei. „Den Großteil der Rahmenbedingungen hat es in Frankfurt schon vor der Konvention gegeben. Wir sind auf einem guten Weg.“

Auch die Bereitstellung von ausreichend Frauenhausplätzen ist ein zentraler Aspekt der Konvention. Der Europarat empfiehlt einen Frauenhausplatz pro 7500 Einwohner:innen, Hessen bietet jedoch nur 0,87 Plätze. 727 Plätze stehen zur Verfügung. Legt man den Schlüssel des erläuternden Berichts zur Istanbul-Konvention zugrunde – ein Familienzimmer mit 2,59 Betten pro 10 000 Einwohner:innen – fehlen in Hessen rund 300 Familienzimmer mit 800 Betten. Das wird auch daran deutlich, dass im November/Dezember 2020 neun von 31 Frauenhäusern dauerhaft belegt waren.

„Seit vergangenem September mussten wir 39 Frauen und 64 Kinder an andere Institutionen weitervermitteln. Sobald wir einen Platz als frei melden, klingelt das Telefon und der Platz ist wenige Stunden später wieder besetzt“, sagt Gloria Schmid aus dem Autonomen Frauenhaus Offenbach. Das Sozialministerium versichert: „Mit Beginn der Investitionen von Bund und Land wird der Kapazitätsausbau in diesem Jahr noch einmal deutlich steigen.“

Kathrin Schrader von der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS) hat im Rahmen des Projekts „Frauenhäuser und die Implementierung der Istanbul-Konvention – Herausforderungen in Hessen“, das noch bis Mai läuft, festgestellt, „dass die hessische Hilfelandschaft für Betroffene von häuslicher Gewalt und auch der diskriminierungsfreie Schutz besonders vulnerabler Gruppen nicht ausreichend sind“. Eine wesentliche Ursache dafür sei die „skandalöse Unterfinanzierung dieser Einrichtungen“.


Nicht allen wird geholfen

Alle im Projekt befragten Frauenhäuser hätten angegeben, dass sie 2019 nicht alle hilfesuchenden Frauen hätten aufnehmen können, wobei Frauen mit komplexen Problemlagen eine besondere Herausforderung darstellten. So konnten beispielsweise nur 59 Prozent der Häuser Frauen mit Söhnen über 12 Jahren und nur 35 Prozent Frauen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen aufnehmen.

Eine Ursache für den Platzmangel in Frauenhäusern ist der lange Aufenthalt von stabilisierten Frauen, die aufgrund von fehlendem Wohnraum nicht ausziehen können. „Mit der Wohnungsnot steigt auch der Platzmangel in den Frauenhäusern dramatisch an“, sagt Carola Dröse von der LAG der Autonomen Frauenhäuser. Das Sozialministerium sagt, es plane, durch Gewalt belastete Frauen mit ihren Kindern bei der Vergabe von Sozialwohnungen stärker zu berücksichtigen.

Kathrin Schrader von der FUAS zieht anhand ihrer Studie das Fazit, „dass geschlechtsbezogene Gewalt, die von heteronormativer Männlichkeit geprägt ist, nicht als strukturelles Problem einer Gesellschaft anerkannt wird“. Schrader und ihr Team empfehlen eine Regelfinanzierung, eine ausreichende Anzahl und Verteilung von Frauenhausplätzen bei adäquater Ausstattung, die Integration aller Frauenhäuser in die Umsetzung der Istanbul-Konvention und die Einrichtung einer Landeskoordinierungsstelle.

Quelle: https://www.fr.de/rhein-main/landespolitik/hessen-schutz-vor-gewalt-gegen-frauen-und-kinder-unzureichend-90197788.html?fbclid=IwAR12paxLtQsKtlLxWmrwnNohQ5atreKvbH0-D1iPDuLIYbycy0KleV3wMbs

____________________________________________________________________

Frauenhäuser in der Pandemie: 92 Mitarbeiterinnen berichten über den prekären Alltag

von Miriam Lenz , André Ricci , Max Donheiser , Jonathan Sachse

Das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen und Kinder weist gravierende Lücken auf. Corona verschärft das Problem gleich doppelt: Maßnahmen zur Virusbekämpfung erschweren die tägliche Arbeit – und im Lockdown nimmt Häusliche Gewalt zu. Dutzende Mitarbeiterinnen aus Frauenhäusern berichten ungeschönt über die Verhältnisse vor Ort.

„Schutz und Zuflucht“ verspricht das Frauenhaus im ostniedersächsischen Peine im Internet. Darunter steht eine Telefonnummer. Sie zu wählen, kann der Beginn eines neuen Lebens sein. Der erste Schritt raus aus der Gewalt. Der Anruf kostet Mut. Und er endet oft mit einer Enttäuschung, weil das Frauenhaus schon voll belegt ist. „Wir vermitteln jedes Jahr mehr Frauen weiter, als wir aufnehmen können“, erzählt uns deren Leiterin Nicole Reinert.

Dadurch erhalten gewaltbetroffene Frauen immerhin Schutz, wenn auch nicht in der Einrichtung ihrer Wahl. Aber wie zuverlässig funktioniert die Weitervermittlung? CORRECTIV.Lokal hat Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern aus ganz Deutschland gebeten, sich vertraulich zu äußern. 92 schilderten uns ihre Erfahrungen über den CrowdNewsroom, einer Online-Plattform von CORRECTIV für Recherchen mit Bürgerinnen und Bürgern. Davon, Frauen in Not nicht aufnehmen zu können, berichteten praktisch alle. Die Einrichtungen seien voll gewesen, geben die meisten als Grund an. Vereinzelt geht es auch um ungesicherte Finanzierung, zum Beispiel bei Studentinnen, oder fehlende Aufenthaltstitel bei Migrantinnen. Nicht immer gelingt es, Frauen nach einer entmutigenden Absage in eine andere Einrichtung zu vermitteln und damit in Sicherheit zu bringen.

Hilfesystem am Limit

CORRECTIV.Lokal und weitere Kooperationspartner, darunter zahlreiche Lokalmedien, haben mit einigen Mitarbeiterinnen vertiefende Gespräche geführt, die sich über den CrowdNewsroom meldeten. Zudem haben wir für fünf Bundesländer die Belegungsdaten aller Frauenhäuser für mehrere Monate ausgewertet. Die Zahlen belegen, dass dutzende Einrichtungen im vergangenen Jahr über Wochen oder Monate keine freien Plätze anbieten konnten, teilweise mussten sie hunderte Frauen abweisen. Mitten in der Pandemie, in der Fälle häuslicher Gewalt zunehmen und Betroffene noch schwerer als sonst eine sichere Bleibe etwa in Pensionen oder bei Vertrauenspersonen finden können, gerät das auf Kante genähte deutsche Hilfesystem an seine Grenzen.

In der Krise wird schmerzlich sichtbar, was eigentlich lange bekannt ist: In Deutschland gibt es viel zu wenige Schutzplätze für Opfer häuslicher Gewalt. Mit bundesweit rund 370 Frauenhäusern und einer einstelligen Zahl von Schutzeinrichtungen für gewaltbetroffene Männer werden die Ziele, zu denen sich die Bundesrepublik durch die Istanbul-Konvention gegen häusliche Gewalt feierlich bekennt, deutlich verfehlt. Der Europarat empfahl schon 2006 einen Frauenhausplatz pro 7.500 gemeldete Personen. Das ergibt für Deutschland Ende 2020 einen Mangel von fast 3.900 Plätzen, wie CORRECIV.Lokal vergangene Woche berichtete.

Das ist fatal. Gerade für besonders vulnerable Opfer Häuslicher Gewalt, die über wenige soziale Kontakte und geringe finanzielle Mittel verfügen, ist der Umzug ins Frauenhaus oder in eine Schutzwohnung oft die einzig sichere Möglichkeit, einem gewalttätigen Partner zu entkommen. Mitarbeiterinnen schildern uns ungeschönt, wo die größten Probleme liegen, wie die Pandemie den Arbeitsalltag in Frauenhäusern zusätzlich erschwert und was in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten ist.

Ungewisses Schicksal abgewiesener Frauen

Was tun die Einrichtungen, wenn sich Opfer Häuslicher Gewalt bei ihnen melden und sie keine freien Plätze mehr haben? „Wir fragen die Frau, ob sie auch in eine andere Stadt gehen würde. Bejaht sie das, bemühen wir uns, den Kontakt zu einem Frauenhaus mit freien Plätzen herzustellen“, berichtet Frauenhausleiterin Reinert. Irgendwo in Niedersachsen ist stets etwas frei. Aber so eine Vermittlung gestaltet sich oft zeitaufwendig, und das Frauenhaus ist personell eng besetzt. „Manchmal müssen wir in einer Woche vier bis fünf Anfragen ablehnen. Da können wir nicht jeden Fall begleiten.“ Als Notlösung bekommt die schutzsuchende Frau dann lediglich die Telefonnummer eines Frauenhauses mitgeteilt, in dem es noch freie Plätze geben soll – verbunden mit der dringenden Bitte, sich erneut zu melden, falls sie keinen Erfolg haben sollte. Zu einem zweiten Anruf kommt es aber fast nie. Vielleicht ein gutes Zeichen. Vielleicht das Gegenteil.

Mit der Lockerung kommt die Welle

Reinert berichtet, dass die Nachfrage nach Plätzen in ihrer Einrichtung während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühling sank. Auch aktuell sei die Belegung unterdurchschnittlich. Das lasse sich am ehesten damit erklären, dass Frauen während eines Lockdowns schlechter fliehen könnten, sie das Familienkonstrukt während dieser ohnehin schwierigen Zeit noch aufrechterhalten wollten oder schlicht Angst vor einer Corona-Infektion in den beengten Verhältnissen eines Frauenhauses hätten.

Doch sobald sich die Corona-Situation etwas entspanne, verändere sich die Lage. „Als der erste Lockdown 2020 endete, stieg die Zahl der Anfragen und wir waren schnell voll“, erinnert sich Reinert. „Ich rechne stark damit, dass es nach diesem Lockdown erneut einen Anstieg geben wird. Das wird das Hilfesystem insgesamt betreffen, nicht nur die Frauenhäuser.“ Vorbereitet fühle sie sich nicht. „Selbst wenn es uns gelingen würde, eine zusätzliche Schutzwohnung anzumieten, wäre unklar, ob wir das personell auffangen könnten.“

Vom Staat allein gelassen

Ähnliche Erfahrungen hat auch Christine Degel in den vergangenen Monaten gemacht. Sie leitet das Frauenhaus in Darmstadt. Im Spätsommer fragten Frauen häufiger als im ersten Lockdown nach einer Unterkunft.

Der Platzmangel ist nicht das einzige Problem, dem sich Frauenhäuser in der Pandemie gegenübersehen.

Wenn Frauen in ein Frauenhaus aufgenommen werden, stehen die Mitarbeiterinnen vor einem Dilemma: Die neu angekommenen Frauen befinden sich in einer Ausnahmesituation, brauchen sofort Schutz und emotionale Unterstützung. Gleichzeitig müssen die Mitarbeiterinnen und die anderen Bewohnerinnen und Kinder im Frauenhaus vor einer möglichen Infektion geschützt werden. Denn die Frauen leben häufig auf wenig Raum zusammen, teilen sich Küche und Bad.

Corona-Tests bei der Aufnahme ins Frauenhaus sind jedoch noch immer keine Selbstverständlichkeit. Degel und ihre Kolleginnen können neu aufgenommene Frauen erst seit wenigen Wochen testen. Bis sie Fördergelder vom Staat bekamen, um Schnelltests kaufen zu können, mussten sie Monate warten. Die Frauenhausleiterin aus Darmstadt fühlt sich vom Staat allein gelassen. „Ich sehe die öffentliche Hand in der Pflicht, Einrichtungen wie Frauenhäuser damit zu versorgen“, sagt Degel.

Ein Frauenhaus unter Quarantäne

Was es für ein Frauenhaus bedeutet, wenn sich eine Bewohnerin mit Corona infiziert, weiß Ruth Syren aus eigener Erfahrung. Die Sozialpädagogin leitet seit 1996 das Heckertstift in Mannheim, ein Frauenhaus der Caritas. Ende März 2020, zu Beginn des ersten Lockdowns, erkrankte eine Bewohnerin an Covid-19 und kam ins Krankenhaus. Auf einmal stand das ganze Frauenhaus unter Quarantäne.

„Ich brauchte eine Ausnahmegenehmigung, um überhaupt noch ins Frauenhaus zu kommen“, erzählt Syren. „Wir konnten die Frauen ja nicht alleine lassen.“ 25 Personen lebten damals im Heckertstift. Frauen und Kinder, die von den Mitarbeiterinnen plötzlich mit Essen und Hygieneartikeln für zwei Wochen versorgt werden mussten. In einer Zeit, als in Supermärkten die Regale leer gefegt waren, Grundnahrungsmittel und Toilettenpapier rationiert wurden.

„Wir waren dann erstmal einen ganzen Tag unterwegs, um einzukaufen“, erzählt Syren. „Das war wirklich eine Katastrophe.“ Am Ende half dem Heckertstift, dass es zu einem großen Verband gehört. Ehrenamtliche der Caritas halfen in den folgenden zwei Wochen beim Einkaufen. Doch zum Frauenhaus selbst konnten sie die Einkäufe nicht bringen. Denn wo genau das Haus liegt, muss zum Schutz der Frauen geheim bleiben. Das erschwert Hilfe von außen ungemein.

Unter dem Original-Artikel finden Sie viele hilfreiche Links, bei denen Sie sich im Fall häuslicher Gewalt melden können.

Überforderte Ämter

Doch das war nicht das einzige Problem. „Viele Ämter haben während der Pandemie ihre Arbeit komplett reduziert“, erzählt Syren. Mitarbeitende der Ämter seien schlecht erreichbar, Anträge hätten am Anfang nicht zum Download zur Verfügung gestanden. Auch aktuell dauere die Bearbeitung viel länger als sonst. Nicht nur in Mannheim. Immer wieder berichteten uns Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser von diesen Problemen.

„Oftmals haben die Frauen keine eigene Bankverbindung“, sagt Syren. Diese sei aber notwendig, damit das Jobcenter ihnen Leistungen überweise. Und um vor Ort ein neues Bankkonto eröffnen zu können, müssten sie ihren neuen Wohnsitz anmelden. Das dauere teilweise monatelang. „Da fehlt schlichtweg Geld.“

 

In solchen Fällen sei das Heckertstift in Absprache mit dem Jobcenter in Vorleistung gegangen oder habe das Konto des Frauenhauses für Überweisungen zur Verfügung gestellt. „Es gibt für alles immer Lösungen. Die sind aber langwieriger und beschwerlicher.“ Und erfordern Kapazitäten, die die personell knapp besetzten Frauenhäuser selten haben.

Wenn Infektionsschutz zu Finanzierungslücken führt

In den vergangenen Monaten haben Syren und ihre Kolleginnen in Mannheim zahlreiche Maßnahmen umgesetzt, um eine weitere Corona-Infektion im Haus zu verhindern. Inzwischen gibt es beispielsweise ein eigenes „Quarantäne-Stockwerk“. Vier der 18 Zimmer im Frauenhaus werden dauerhaft für Neuaufnahmen oder Verdachtsfälle freigehalten.

Dadurch kann das Heckertstift aber auch weniger Frauen aufnehmen. Das ist ein Problem für die Finanzierung des Hauses. „Wir bekommen die Finanzierung darüber, dass Zimmer belegt sind. Und wenn ein Zimmer nicht belegt ist, dann ist es nicht finanziert“, erklärt Syren. „Letztendlich führt das dazu, dass die Frauenhäuser in Baden-Württemberg in echte Finanzierungsprobleme kommen.“

Wie Frauenhäuser in Deutschland finanziert werden, unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, teilweise sogar von Kommune zu Kommune. In Baden-Württemberg werden sie über Tagessätze finanziert, die die Bewohnerinnen für die Unterbringung und Betreuung bezahlen müssen. Im Heckertstift liegt der Tagessatz insgesamt bei knapp 55 Euro pro Person. Wenn die Frauen berechtigt sind, Sozialleistungen zu beziehen, übernimmt das Jobcenter die Kosten.

Syren wünscht sich staatliche Unterstützung, um Finanzierungsdefizite der Frauenhäuser während der Corona-Pandemie auszugleichen. Sie fragt sich, warum der Lufthansa wegen der Corona-Krise eine Milliardenhilfe vom Bund zugesagt wurde und die Frauenhäuser um jede vergleichsweise kleine Finanzspritze kämpfen müssen.

 

Syren hofft, dass die Erfahrungen aus der Pandemie dazu führen, dass die Frauenhäuser in Zukunft besser ausgestattet werden.

Hoffnung auf Istanbul-Konvention schwindet

Dass die Zahl der Schutzplätze steigt und Frauenhäuser bundesweit solide finanziert werden, fordern nicht nur viele Menschen, die im Hilfesystem arbeiten und seine Schwächen kennen. Es ist auch eine Vorgabe der Istanbul-Konvention. „Die Vertragsparteien stellen angemessene finanzielle und personelle Mittel bereit“, heißt es dort etwas schwammig. Was ist „angemessen“? Die geltenden Finanzierungsregelungen jedenfalls seien von „Lückenhaftigkeit, Inkonsistenz und Komplexität“ geprägt, schreibt der Deutsche Juristinnenbund in einem Themenpapier. Deutschland unterschreite damit „den Mindeststandard“, so das vernichtende Urteil der Juristinnen.

„Als die Konvention 2017 ratifiziert wurde, hatte ich große Hoffnungen“, erinnert sich Reinert, die Leiterin des Peiner Frauenhauses. Aber Beschäftigte in den Ämtern vor Ort wüssten gar nicht, wovon sie spreche, wenn sie sich auf die Konvention berufe. Sie registriere durchaus, dass Frauenhäuser durch das Abkommen und auch durch die Pandemie mehr öffentliche Aufmerksamkeit bekämen. Doch auf die Frage, ob sie gut drei Jahre nach der Ratifizierung der Istanbul-Konvention Auswirkungen auf die praktische Frauenhausarbeit spüre, gibt sie nach kurzem Nachdenken eine knappe Antwort: „Nein.“

Quelle: correctiv.org/aktuelles/gesundheit/2021/02/15/frauenhaeuser-in-der-pandemie-92-mitarbeiterinnen-berichten-ueber-den-prekaeren-alltag/


 

PRESSEMITTEILUNG

25.11.2020

Stellungnahme von Frauen helfen Frauen e.V. Offenbach zur Ablehnung des Antrags der SPD auf eine Platzerweiterung für das Frauen- und Kinderhaus gemäß der Istanbul Konvention durch die Stadtverordnetenversammlung Offenbach

Treffenderweise unter dem Titel „An der Realität vorbei“ erschien am 10.11.2020 ein Artikel in der Offenbach Post, in dem über die Absage der Platzerweiterung im Offenbacher Frauen- und Kinderhaus durch die Stadtverordnetenversammlung berichtet wurde. 

Gemäß Art. 23 der Istanbul-Konvention, die 2018 von Deutschland ratifiziert wurde, müssen für alle von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder geeignete, leicht zugängliche Schutzunterkünfte in ausreichender Zahl vorhanden sein. Entsprechend der Forderungen der Istanbul-Konvention fehlen in Hessen aktuell rund 300 Schutzplätze/Zimmer (=Family Places) mit knapp 800 Betten.

Häufig stehen in ganz Hessen nur wenige oder gar keine freien Plätze für akut bedrohte Frauen und Kinder zur Verfügung, so dass nur ein Teil der Hilfesuchenden Schutz in einem Frauenhaus finden kann.

Wie in dem Antrag zur Platzerweiterung der SPD beschrieben fehlen in Offenbach derzeit 2 Familienzimmer, da sich die Anzahl der Zimmer an der Zahl der Einwohner:innen einer Stadt orientiert: Pro 10.000 Einwohner:innen braucht ein Frauenhaus 1 Familienzimmer. In Offenbach gibt es aktuell 10 Familien- und 2 Einzelzimmer, bei 140.000 Einwohner:innen. 

Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass aufgrund der fehlenden Kapazitäten nur ein Teil der Hilfesuchenden Schutz im Offenbacher Frauen- und Kinderhaus finden kann und akut bedrohte Frauen und Kinder umständlich weiter vermittelt werden müssen. 

Mit Erstaunen lesen wir, das Frauen- und Kinderhaus sei die letzte Alternative, wobei die Flucht ins Frauenhaus doch für eine Vielzahl von Schutzsuchenden die einzige – und oftmals auch die erste – Alternative überhaupt ist. Auch scheint nicht allen Stadtverordneten klar, welche Arbeit von den Mitarbeiterinnen tatsächlich geleistet wird: so ist Gewaltprävention gerade während des Aufenthaltes im Frauen- und Kinderhaus ein Kernstück der pädagogischen Arbeit. Immerhin gilt es, nicht zuletzt Jungen und Mädchen, aber auch deren Mütter, für gängige Opfer*-Täter*-Verhaltensweisen zu sensibilisieren. 

Wie in dem Schreiben der Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser in Hessen und der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Frauenhäuser in Trägerschaft vom Oktober 2020 erläutert, erreichen die Frauenhäuser in Hessen bezüglich der personellen Ausstattung nicht einmal ansatzweise den Schlüssel, welchen Standards des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der Frauenhauskoordinierung und der Zentralen Informationsstelle der autonomen Frauenhäuser vorsehen. Dies führt dazu, dass Frauen und Kinder mit Traumatisierung oder anderen besonderen Problemlagen nicht immer bedarfsgerecht unterstützt werden können. Auch Präventions-, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit kann, wenn keine Veränderung eintritt, oft nur in zu geringem Umfang geleistet werden. 

Das Hilfsangebot für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder einfach nicht zu erweitern - wie nun in Offenbach geschehen – kann keine Lösung sein, denn zwei fehlende Familienzimmer bedeuten, dass auf lange Sicht bis zu vier Personen weiterhin in einer lebensbedrohlichen Situation leben müssen und keine professionelle Unterstützung bekommen können.

Das Offenbacher Frauen- und Kinderhaus entspricht ohnehin nicht den notwendigen Standards für ein ausreichend ausgestattetes Schutzhaus, nicht nur was den Aspekt der Barrierefreiheit angeht. Der Vorstand von Frauen helfen Frauen e.V. begibt sich daher auf die Suche, zeitnah ein neues Haus mit ausreichenden Plätzen und allen erforderlichen Ausstattungsmerkmalen zu finden und hofft dabei auf größtmögliche Unterstützung vieler Offenbacher:innen aus Politik und Gesellschaft, um dies baldmöglichst umzusetzen.


Pressemitteilung von Frauen helfen Frauen e.V., Offenbach

Beratungs- und Interventionsstelle von Frauen helfen Frauen, Offenbach bietet wieder persönliche Beratungen an verschiedenen neuen Orten an

Ab Montag, den 8. Juni können wieder persönliche Beratungen nach Terminvergabe stattfinden.
Nachdem die Beratungen für Frauen in Offenbach in der Beratungs- und Interventionsstelle nur am Telefon oder nur per e-mail stattfinden konnten, und die Räume der Beratungsstelle unter den neuen Hygiene-Vorschriften zu klein und zu eng sind, haben die Beraterinnen von Frauen helfen Frauen in Offenbach neue Räume gefunden.
Die Beratungsstelle für Frauen, Fachberatungsstelle bei Häuslicher Gewalt, bietet Beratung nach dem Gewaltschutzgesetz, für Frauen, die sich in einer akuten Krise befinden oder sich beraten lassen möchten bei Partnerproblemen, bei Trennung und Scheidung.
Die Offene Sprechstunde für Kurzberatungen können wieder in der Beratungsstelle in der Bieberer Str. 17 donnerstags von 10-12 Uhr stattfinden.
Die Beratungen nach Terminvereinbarung finden am Montag im Nordend am Goetheplatz, am Dienstag in der VHS in der Berliner Straße und am Donnerstag in Räumen am Mathildenplatz statt.

Termine können telefonisch unter 069 – 82995710 oder unter 069 - 816557 vereinbart werden.

Die Beratungen finden wieder persönlich statt, unter Einhaltung der entsprechenden Hygiene- und Schutz-Maßnahmen: Bei Eintritt in die Gebäude, bitte Masken tragen, vor der Beratung Hände waschen und während der Beratung den notwendigen Abstand von mindestens 1,5 m einhalten und es müssen Anwesenheitslisten geführt werden.

Info und Kontakt:
Frauen helfen Frauen e.V., Offenbach
Bieberer Str. 17
63065 Offenbach
Tel.: 069-82995710 und 069-816557

e-mail:
beratung@frauenhaus-offenbach.de
info@frauenhaus-offenbach.de

Internet: www.frauenhaus-offenbach.de

Offenbach, den 04.06.2020
Heidi Balthasar


Wohnungsnot: Dauerbelegung des Frauenhauses führt zu erheblichen Einschränkungen

(Symbolbild) © picture alliance/dpa/Maja Hitij

 (Symbolbild) © picture alliance/dpa/Maja Hitij

Für Betroffene von häuslicher Gewalt, ob physisch oder psychisch, stellt der Gang ins Frauenhaus häufig den letzten Ausweg aus einer im Zweifel lebensbedrohlichen Situation dar.

Offenbach –  Fernab von ihrem Wohnort und an einer geheimen Adresse bekommen betroffene Frauen von häuslicher Gewalt in diesen Einrichtungen nicht nur unmittelbare Hilfe und Beratung, sondern vor allem eine vorübergehend geschützte Unterkunft, in der sie von dem gewalttätigen Partner nicht gefunden werden können und sicher sind.

Doch wie Gloria Schmid, von der Beratungsstelle „Frauen Helfen Frauen“, die das Offenbacher Frauenhaus betreibt, erzählt, zieht sich diese Übergangslösung für viele Frauen schon seit geraumer Zeit immer häufiger in die Länge.

Sie beklagt, dass es aufgrund steigender Mieten immer schwieriger werde, bezahlbare Wohnungen für diejenigen zu finden, die aus dem Frauenhaus ausziehen und fortan ein neues Leben in der Stadt beginnen möchten.

Offenbach: Übergangslösung im Frauenhaus zieht sich immer häufiger in die Länge

Als Beispiel nennt sie eine Frau, die anderthalb Jahre in der Einrichtung gelebt hat, bis vor Kurzem endlich eine Wohnung gefunden wurde, in die sie einziehen kann. „Die Stadtentwicklung geht zulasten derjenigen, die aus einer Gefährdungssituation zu uns kommen“, kommentiert Schmid den gegenwärtigen Zustand.

Zwar existiere eine freiwillige Selbstverpflichtung, in welcher sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBO dazu bekenne, betroffenen Frauen bevorzugt Wohnraum zu vermitteln, doch all zu häufig zeige diese Regelung nach ihrer Erfahrung keinerlei Wirkung.

Offenbach Frauenhaus: Betroffene finden keine neue Wohnung

Hinzu kommt, dass das Problem einem Teufelskreis gleicht. Eine Folge des schwierigen Wohnungsmarkts: Betroffene wollen aus der als Übergang gedachten Schutzeinrichtung wieder auszuziehen, finden jedoch keine Wohnung; sie bleiben weiterhin im Frauenhaus und blockieren somit gewissermaßen den Platz für andere Schutzsuchende.

Und der Platz in der Offenbacher Einrichtung sei sowieso schon viel zu eng bemessen, weiß Schmid zu berichten. Auf zwei Stockwerken bietet das Haus 32 Plätze auf zwölf Zimmer verteilt, die in der Regel immer voll belegt sind. Sie spricht davon, dass das Frauenhaus um mindestens zwei zusätzliche Zimmer erweitert und im besten Fall auch barrierefrei gestaltet werden müsse.

Offenbach: Frauenhaus fordert Zugriff auf freie Wohnungen

Doch damit allein sei das Problem noch lange nicht gelöst, ist sich Gloria Schmid sicher. „Wir können nicht einfach nur die Einrichtung vergrößern, sondern was wir wirklich brauchen, ist der Zugriff auf freie Wohnungen“, fasst sie eine der dringendsten Forderungen des Vereins zusammen.

Zwei zusätzliche Zimmer im Frauenhaus sowie jährlich 15 Wohnungen, zu denen sich die GBO selbst verpflichtet hat, wären die Lösung: „So könnten wir einen schnelleren Durchlauf von etwa einem halben Jahr gewährleisten“, ist Gloria Schmid sicher.

Etwa ein halbes Jahr dauert es ihr zufolge auch, um für die Schutzsuchenden die ersten Schritte eines Neuanfangs in die Gänge zu leiten. Die gehen von der Anmeldung in Kindergärten oder Schulen über die Vermittlung von Sprachkursen oder der Anbindung ans Jobcenter. „Doch dann stagniert es schnell, und das lange Warten ist für die Frauen oft super deprimierend.“

Verstärkt werde diese schwierige Situation zudem noch dadurch, dass viele der Frauen, die Zuflucht in der Einrichtung suchten, zuvor finanziell von ihrem Partner abhängig gewesen seien. „Dann fliehen sie vor der häuslichen Gewalt, doch der Täter kann einfach in der Wohnung bleiben – das kann so nicht sein“, ärgert sich Gloria Schmid.

VON JOEL SCHMIDT
erschienen am 06.02.20 auf op-online.de

 

Wer vor häuslicher Gewalt flieht, kann in einem Frauenhaus Zuflucht finden. Und wie geht es danach weiter? Diese und weitere Fragen beantwortet „Frauen helfen Frauen“ bei einem Tag der offenen Tür.

 

 Neuer Name für unsere Zuflucht:

Das Offenbacher Frauenhaus nennt sich ab sofort "Frauen- und Kinderhaus"

Mit der Umbenennung wollen wir Mitarbeiterinnen von Frauen helfen Frauen e.V. in der Öffentlichkeit sichtbar machen, dass nicht nur Frauen Opfer von häuslicher Gewalt sind, sondern auch Kinder. Wir glauben, dass wir mit der Namensänderung dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit schaffen können. Zudem fühlen sich auch die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen dadurch eher als eigenständige Person wahrgenommen.

Die Arbeit mit den Mädchen und Jungen hat in den vergangenen Jahren gesellschaftlich einen anderen Fokus bekommen. In Offenbach haben wir schon immer im Tandem mit einer Familie gearbeitet: eine Ansprechpartnerin für die Frau, zuständig für deren Themen und Bedarfe - eine weitere Ansprechpartnerin für die Kinder, zuständig für deren Themen und Bedarfe, aber auch Ansprechpartnerin für die Frau in ihrer Rolle als Mutter.

Der Vereinsname "Frauen helfen Frauen e.V." bleibt unverändert.


Artikel: Neuer Name für das Frauenhaus

Erschienen in der Offenbach Post am 11.10.2019 von Anna Kirschner


Leserbrief zum Artikel "Kopftuch sorgt für Zwist" in der Offenbach Post vom 10.09.19

Ausgrenzung in der Arrival City

Spätestens seit dem Urteil des Verfassungsgerichts von 2015 sollte klar sein, dass ein Fall, wie der der Bewerberin um eine Honorarstelle bei der Stadt Offenbach aus dem Jahr 2017, gar nicht vorkommen darf. Matthias Schulze-Böing sagt laut dem Artikel, dass keine religiösen Bekenntnisse während der Dienstzeit abgegeben werden dürfen. Heißt das auch, dass Halsketten mit Kruzifixen oder anderen Symbolen, Weihnachtsgebäck und Adventskalender ab jetzt aus allen Büros verschwinden müssen? Oder geht es nicht vielmehr um die Regulation des weiblichen Körpers, und warum ist es immer und immer wieder das Kopftuch, an dem sich abgearbeitet wird? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: Zum Einen werden nur „nicht-christliche“ Symbole als religiöse Symbole thematisiert und problematisiert – und das in einer Stadt wie Offenbach, die sich als Arrival City deklariert – zum Anderen sind es mal wieder Kleidervorschriften für Frauen.

So werden Frauen Wege in die Selbstbestimmung verwehrt, und ihnen wird abgesprochen, dass sie in ihrer Kleiderwahl selbstbestimmt agieren. Damit werden ihnen Zugänge zum Arbeitsmarkt verschlossen. Eine qualifizierte Bewerberin aufgrund eines Kopftuchs abzulehnen ist nicht nur verfassungswidrig, sondern auch ungeheuerlich. Durch solch eine Praxis schicken Institutionen wie das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration die arbeitswillige Frau zurück an den Herd und betreiben genau die Ausgrenzung, die sie „anderen Religionen“ vorwerfen. Eine Auseinandersetzung über das Für und Wider des Kopftuchs muss an anderer Stelle und vor allem von und mit Betroffenen geführt werden und nicht als Gegenstand der oben genannten Ausgrenzungspraktik dienen.

Wir von Frauen helfen Frauen Offenbach e.V. verwehren uns gegen jegliche Ausgrenzung von Frauen, insbesondere auch am Arbeitsplatz. Keine und Keiner soll Frauen, wie in der Vergangenheit vorschreiben was sie zu tragen – und was sie nicht zu tragen haben. Auch wenn es schwer fällt, kann Frauen auch nicht „per se“ unterstellt werden, dass sie ihre Kleidung nicht selbst auswählen: weder der Minirock noch das Kopftuch.

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Zeitungsartikel 



 

 

PRESSEMITTEILUNG

25.11.2020

Stellungnahme von Frauen helfen Frauen e.V. Offenbach zur Ablehnung des Antrags der SPD auf eine Platzerweiterung für das Frauen- und Kinderhaus gemäß der Istanbul Konvention durch die Stadtverordnetenversammlung Offenbach

Treffenderweise unter dem Titel „An der Realität vorbei“ erschien am 10.11.2020 ein Artikel in der Offenbach Post, in dem über die Absage der Platzerweiterung im Offenbacher Frauen- und Kinderhaus durch die Stadtverordnetenversammlung berichtet wurde. 

Gemäß Art. 23 der Istanbul-Konvention, die 2018 von Deutschland ratifiziert wurde, müssen für alle von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen und deren Kinder geeignete, leicht zugängliche Schutzunterkünfte in ausreichender Zahl vorhanden sein. Entsprechend der Forderungen der Istanbul-Konvention fehlen in Hessen aktuell rund 300 Schutzplätze/Zimmer (=Family Places) mit knapp 800 Betten.

Häufig stehen in ganz Hessen nur wenige oder gar keine freien Plätze für akut bedrohte Frauen und Kinder zur Verfügung, so dass nur ein Teil der Hilfesuchenden Schutz in einem Frauenhaus finden kann.

Wie in dem Antrag zur Platzerweiterung der SPD beschrieben fehlen in Offenbach derzeit 2 Familienzimmer, da sich die Anzahl der Zimmer an der Zahl der Einwohner:innen einer Stadt orientiert: Pro 10.000 Einwohner:innen braucht ein Frauenhaus 1 Familienzimmer. In Offenbach gibt es aktuell 10 Familien- und 2 Einzelzimmer, bei 140.000 Einwohner:innen. 

Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass aufgrund der fehlenden Kapazitäten nur ein Teil der Hilfesuchenden Schutz im Offenbacher Frauen- und Kinderhaus finden kann und akut bedrohte Frauen und Kinder umständlich weiter vermittelt werden müssen. 

Mit Erstaunen lesen wir, das Frauen- und Kinderhaus sei die letzte Alternative, wobei die Flucht ins Frauenhaus doch für eine Vielzahl von Schutzsuchenden die einzige – und oftmals auch die erste – Alternative überhaupt ist. Auch scheint nicht allen Stadtverordneten klar, welche Arbeit von den Mitarbeiterinnen tatsächlich geleistet wird: so ist Gewaltprävention gerade während des Aufenthaltes im Frauen- und Kinderhaus ein Kernstück der pädagogischen Arbeit. Immerhin gilt es, nicht zuletzt Jungen und Mädchen, aber auch deren Mütter, für gängige Opfer*-Täter*-Verhaltensweisen zu sensibilisieren. 

Wie in dem Schreiben der Landesarbeitsgemeinschaft der autonomen Frauenhäuser in Hessen und der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Frauenhäuser in Trägerschaft vom Oktober 2020 erläutert, erreichen die Frauenhäuser in Hessen bezüglich der personellen Ausstattung nicht einmal ansatzweise den Schlüssel, welchen Standards des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der Frauenhauskoordinierung und der Zentralen Informationsstelle der autonomen Frauenhäuser vorsehen. Dies führt dazu, dass Frauen und Kinder mit Traumatisierung oder anderen besonderen Problemlagen nicht immer bedarfsgerecht unterstützt werden können. Auch Präventions-, Öffentlichkeits- und Vernetzungsarbeit kann, wenn keine Veränderung eintritt, oft nur in zu geringem Umfang geleistet werden. 

Das Hilfsangebot für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder einfach nicht zu erweitern - wie nun in Offenbach geschehen – kann keine Lösung sein, denn zwei fehlende Familienzimmer bedeuten, dass auf lange Sicht bis zu vier Personen weiterhin in einer lebensbedrohlichen Situation leben müssen und keine professionelle Unterstützung bekommen können.

Das Offenbacher Frauen- und Kinderhaus entspricht ohnehin nicht den notwendigen Standards für ein ausreichend ausgestattetes Schutzhaus, nicht nur was den Aspekt der Barrierefreiheit angeht. Der Vorstand von Frauen helfen Frauen e.V. begibt sich daher auf die Suche, zeitnah ein neues Haus mit ausreichenden Plätzen und allen erforderlichen Ausstattungsmerkmalen zu finden und hofft dabei auf größtmögliche Unterstützung vieler Offenbacher:innen aus Politik und Gesellschaft, um dies baldmöglichst umzusetzen.


Pressemitteilung von Frauen helfen Frauen e.V., Offenbach

Beratungs- und Interventionsstelle von Frauen helfen Frauen, Offenbach bietet wieder persönliche Beratungen an verschiedenen neuen Orten an

Ab Montag, den 8. Juni können wieder persönliche Beratungen nach Terminvergabe stattfinden.
Nachdem die Beratungen für Frauen in Offenbach in der Beratungs- und Interventionsstelle nur am Telefon oder nur per e-mail stattfinden konnten, und die Räume der Beratungsstelle unter den neuen Hygiene-Vorschriften zu klein und zu eng sind, haben die Beraterinnen von Frauen helfen Frauen in Offenbach neue Räume gefunden.
Die Beratungsstelle für Frauen, Fachberatungsstelle bei Häuslicher Gewalt, bietet Beratung nach dem Gewaltschutzgesetz, für Frauen, die sich in einer akuten Krise befinden oder sich beraten lassen möchten bei Partnerproblemen, bei Trennung und Scheidung.
Die Offene Sprechstunde für Kurzberatungen können wieder in der Beratungsstelle in der Bieberer Str. 17 donnerstags von 10-12 Uhr stattfinden.
Die Beratungen nach Terminvereinbarung finden am Montag im Nordend am Goetheplatz, am Dienstag in der VHS in der Berliner Straße und am Donnerstag in Räumen am Mathildenplatz statt.

Termine können telefonisch unter 069 – 82995710 oder unter 069 - 816557 vereinbart werden.

Die Beratungen finden wieder persönlich statt, unter Einhaltung der entsprechenden Hygiene- und Schutz-Maßnahmen: Bei Eintritt in die Gebäude, bitte Masken tragen, vor der Beratung Hände waschen und während der Beratung den notwendigen Abstand von mindestens 1,5 m einhalten und es müssen Anwesenheitslisten geführt werden.

Info und Kontakt:
Frauen helfen Frauen e.V., Offenbach
Bieberer Str. 17
63065 Offenbach
Tel.: 069-82995710 und 069-816557

e-mail:
beratung@frauenhaus-offenbach.de
info@frauenhaus-offenbach.de

Internet: www.frauenhaus-offenbach.de

Offenbach, den 04.06.2020
Heidi Balthasar


Wohnungsnot: Dauerbelegung des Frauenhauses führt zu erheblichen Einschränkungen

(Symbolbild) © picture alliance/dpa/Maja Hitij

 (Symbolbild) © picture alliance/dpa/Maja Hitij

Für Betroffene von häuslicher Gewalt, ob physisch oder psychisch, stellt der Gang ins Frauenhaus häufig den letzten Ausweg aus einer im Zweifel lebensbedrohlichen Situation dar.

Offenbach –  Fernab von ihrem Wohnort und an einer geheimen Adresse bekommen betroffene Frauen von häuslicher Gewalt in diesen Einrichtungen nicht nur unmittelbare Hilfe und Beratung, sondern vor allem eine vorübergehend geschützte Unterkunft, in der sie von dem gewalttätigen Partner nicht gefunden werden können und sicher sind.

Doch wie Gloria Schmid, von der Beratungsstelle „Frauen Helfen Frauen“, die das Offenbacher Frauenhaus betreibt, erzählt, zieht sich diese Übergangslösung für viele Frauen schon seit geraumer Zeit immer häufiger in die Länge.

Sie beklagt, dass es aufgrund steigender Mieten immer schwieriger werde, bezahlbare Wohnungen für diejenigen zu finden, die aus dem Frauenhaus ausziehen und fortan ein neues Leben in der Stadt beginnen möchten.

Offenbach: Übergangslösung im Frauenhaus zieht sich immer häufiger in die Länge

Als Beispiel nennt sie eine Frau, die anderthalb Jahre in der Einrichtung gelebt hat, bis vor Kurzem endlich eine Wohnung gefunden wurde, in die sie einziehen kann. „Die Stadtentwicklung geht zulasten derjenigen, die aus einer Gefährdungssituation zu uns kommen“, kommentiert Schmid den gegenwärtigen Zustand.

Zwar existiere eine freiwillige Selbstverpflichtung, in welcher sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBO dazu bekenne, betroffenen Frauen bevorzugt Wohnraum zu vermitteln, doch all zu häufig zeige diese Regelung nach ihrer Erfahrung keinerlei Wirkung.

Offenbach Frauenhaus: Betroffene finden keine neue Wohnung

Hinzu kommt, dass das Problem einem Teufelskreis gleicht. Eine Folge des schwierigen Wohnungsmarkts: Betroffene wollen aus der als Übergang gedachten Schutzeinrichtung wieder auszuziehen, finden jedoch keine Wohnung; sie bleiben weiterhin im Frauenhaus und blockieren somit gewissermaßen den Platz für andere Schutzsuchende.

Und der Platz in der Offenbacher Einrichtung sei sowieso schon viel zu eng bemessen, weiß Schmid zu berichten. Auf zwei Stockwerken bietet das Haus 32 Plätze auf zwölf Zimmer verteilt, die in der Regel immer voll belegt sind. Sie spricht davon, dass das Frauenhaus um mindestens zwei zusätzliche Zimmer erweitert und im besten Fall auch barrierefrei gestaltet werden müsse.

Offenbach: Frauenhaus fordert Zugriff auf freie Wohnungen

Doch damit allein sei das Problem noch lange nicht gelöst, ist sich Gloria Schmid sicher. „Wir können nicht einfach nur die Einrichtung vergrößern, sondern was wir wirklich brauchen, ist der Zugriff auf freie Wohnungen“, fasst sie eine der dringendsten Forderungen des Vereins zusammen.

Zwei zusätzliche Zimmer im Frauenhaus sowie jährlich 15 Wohnungen, zu denen sich die GBO selbst verpflichtet hat, wären die Lösung: „So könnten wir einen schnelleren Durchlauf von etwa einem halben Jahr gewährleisten“, ist Gloria Schmid sicher.

Etwa ein halbes Jahr dauert es ihr zufolge auch, um für die Schutzsuchenden die ersten Schritte eines Neuanfangs in die Gänge zu leiten. Die gehen von der Anmeldung in Kindergärten oder Schulen über die Vermittlung von Sprachkursen oder der Anbindung ans Jobcenter. „Doch dann stagniert es schnell, und das lange Warten ist für die Frauen oft super deprimierend.“

Verstärkt werde diese schwierige Situation zudem noch dadurch, dass viele der Frauen, die Zuflucht in der Einrichtung suchten, zuvor finanziell von ihrem Partner abhängig gewesen seien. „Dann fliehen sie vor der häuslichen Gewalt, doch der Täter kann einfach in der Wohnung bleiben – das kann so nicht sein“, ärgert sich Gloria Schmid.

VON JOEL SCHMIDT
erschienen am 06.02.20 auf op-online.de

 

Wer vor häuslicher Gewalt flieht, kann in einem Frauenhaus Zuflucht finden. Und wie geht es danach weiter? Diese und weitere Fragen beantwortet „Frauen helfen Frauen“ bei einem Tag der offenen Tür.

 

 Neuer Name für unsere Zuflucht:

Das Offenbacher Frauenhaus nennt sich ab sofort "Frauen- und Kinderhaus"

Mit der Umbenennung wollen wir Mitarbeiterinnen von Frauen helfen Frauen e.V. in der Öffentlichkeit sichtbar machen, dass nicht nur Frauen Opfer von häuslicher Gewalt sind, sondern auch Kinder. Wir glauben, dass wir mit der Namensänderung dafür ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit schaffen können. Zudem fühlen sich auch die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen dadurch eher als eigenständige Person wahrgenommen.

Die Arbeit mit den Mädchen und Jungen hat in den vergangenen Jahren gesellschaftlich einen anderen Fokus bekommen. In Offenbach haben wir schon immer im Tandem mit einer Familie gearbeitet: eine Ansprechpartnerin für die Frau, zuständig für deren Themen und Bedarfe - eine weitere Ansprechpartnerin für die Kinder, zuständig für deren Themen und Bedarfe, aber auch Ansprechpartnerin für die Frau in ihrer Rolle als Mutter.

Der Vereinsname "Frauen helfen Frauen e.V." bleibt unverändert.


Artikel: Neuer Name für das Frauenhaus

Erschienen in der Offenbach Post am 11.10.2019 von Anna Kirschner


Leserbrief zum Artikel "Kopftuch sorgt für Zwist" in der Offenbach Post vom 10.09.19

Ausgrenzung in der Arrival City

Spätestens seit dem Urteil des Verfassungsgerichts von 2015 sollte klar sein, dass ein Fall, wie der der Bewerberin um eine Honorarstelle bei der Stadt Offenbach aus dem Jahr 2017, gar nicht vorkommen darf. Matthias Schulze-Böing sagt laut dem Artikel, dass keine religiösen Bekenntnisse während der Dienstzeit abgegeben werden dürfen. Heißt das auch, dass Halsketten mit Kruzifixen oder anderen Symbolen, Weihnachtsgebäck und Adventskalender ab jetzt aus allen Büros verschwinden müssen? Oder geht es nicht vielmehr um die Regulation des weiblichen Körpers, und warum ist es immer und immer wieder das Kopftuch, an dem sich abgearbeitet wird? Hier wird mit zweierlei Maß gemessen: Zum Einen werden nur „nicht-christliche“ Symbole als religiöse Symbole thematisiert und problematisiert – und das in einer Stadt wie Offenbach, die sich als Arrival City deklariert – zum Anderen sind es mal wieder Kleidervorschriften für Frauen.

So werden Frauen Wege in die Selbstbestimmung verwehrt, und ihnen wird abgesprochen, dass sie in ihrer Kleiderwahl selbstbestimmt agieren. Damit werden ihnen Zugänge zum Arbeitsmarkt verschlossen. Eine qualifizierte Bewerberin aufgrund eines Kopftuchs abzulehnen ist nicht nur verfassungswidrig, sondern auch ungeheuerlich. Durch solch eine Praxis schicken Institutionen wie das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration die arbeitswillige Frau zurück an den Herd und betreiben genau die Ausgrenzung, die sie „anderen Religionen“ vorwerfen. Eine Auseinandersetzung über das Für und Wider des Kopftuchs muss an anderer Stelle und vor allem von und mit Betroffenen geführt werden und nicht als Gegenstand der oben genannten Ausgrenzungspraktik dienen.

Wir von Frauen helfen Frauen Offenbach e.V. verwehren uns gegen jegliche Ausgrenzung von Frauen, insbesondere auch am Arbeitsplatz. Keine und Keiner soll Frauen, wie in der Vergangenheit vorschreiben was sie zu tragen – und was sie nicht zu tragen haben. Auch wenn es schwer fällt, kann Frauen auch nicht „per se“ unterstellt werden, dass sie ihre Kleidung nicht selbst auswählen: weder der Minirock noch das Kopftuch.

__________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

Zeitungsartikel