Wir durften die unfassbar starke und mutige Rede einer ehemaligen Bewohnerin vortragen und nun veröffentlichen für Alle, die nicht dabei sein konnten.
"„Ich möchte hiermit die schwierigen Lebensumstände schildern, die mich letztendlich dazu gebracht haben, in ein Frauenhaus zu fliehen.
Als ich mit meiner Tochter schwanger war, lebte ich in einer Situation voller Angst, Gewalt und psychischer Belastung. Ich wusste nicht, was ich tun oder wohin ich gehen sollte. Ich war ganz neu in Deutschland, lebte in einer kleinen Stadt mit meinem damaligen Ehemann und hatte weder Familie noch Freunde, an die ich mich wenden konnte.
Die Angst beherrschte meinen Alltag, und mein einziger Gedanke war, mich selbst und mein ungeborenes Kind zu schützen.
In einem Moment, in dem ich das Gefühl hatte, dass unser Leben in Gefahr war, traf ich die Entscheidung, „Stopp“ zu sagen. Ich nahm Kontakt zum Frauenhaus auf – und dort fand ich endlich Sicherheit und Unterstützung. Sie nahmen mich auf, gaben mir Schutz und begleiteten mich menschlich und respektvoll durch diese schwere Zeit.
Sie halfen mir bei jedem einzelnen Schritt und waren auch an meiner Seite, als ich meine Tochter zur Welt brachte. Sie haben sich um alles gekümmert, was ich in dieser Phase brauchte.
Auch in Momenten, in denen ich zusammenzubrechen drohte oder das Gefühl hatte, nicht mehr weiterzukönnen, standen die Mitarbeiterinnen mir zur Seite. Sie hörten mir zu, begleiteten mich auf Spaziergänge und halfen mir, meine Ängste zu überwinden.
Im Frauenhaus lernte ich viele andere Frauen kennen, einige von ihnen wurden zu guten Freundinnen. Bis heute haben wir trotz der Entfernung noch Kontakt. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, zusammen gekocht, Ausflüge gemacht und den Alltag gemeinsam gemeistert – wir waren wie eine kleine Familie.
Ich weiß, dass viele Frauen auf der ganzen Welt Gewalt erleben. Doch leider können viele von ihnen nicht darüber sprechen oder um Hilfe bitten – oft aus Angst, aus Sorge um die Kinder oder aus Unsicherheit über die Zukunft. Das ist verständlich, denn jeder neue Schritt im Leben erfordert Mut und Überlegung.
Aber in solchen Situationen muss man lernen, „Genug“ zu sagen.
Genug Gewalt.
Genug Angst.
Die Frau ist ein wertvoller und bedeutender Teil der Gesellschaft. Sie ist Mutter, Schwester, Freundin – ohne sie würde vieles fehlen. Frauen verdienen Respekt, Schutz und ein Leben in Würde.
Ich möchte im Namen aller betroffenen Frauen sagen:
Wir sind stark.
Wir sind fähig, ein selbstständiges Leben zu führen.
Nein zu Angst.
Nein zu Gewalt.
Du bist frei geboren.
Du hast das Recht, deine Meinung zu äußern, ein neues Leben aufzubauen und deinen Kindern Sicherheit zu geben – frei von Gewalt und frei von Angst.
Ein Leben in Frieden und Stabilität ist möglich.
Ich danke Gott jeden Tag dafür, dass ich den Mut hatte, alles hinter mir zu lassen, um meine körperliche und seelische Gesundheit zu schützen. Man lebt dieses Leben nur einmal – und man sollte es in Frieden leben.
Zum Schluss möchte ich dem Frauenhaus von Herzen danken.
Danke für ihre Unterstützung, ihre menschliche Wärme und ihre ehrliche Hilfe, die mir in dieser schweren Zeit Kraft und Hoffnung gegeben haben."

