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Schutz vor Gewalt: Neues Offenbacher Frauenhaus erhält Fördermittel

Artikel aus der Offenbach Post vom 04.12.2025 von Veronika Schade

750 000 Euro vom Land: Staatssekretärin Manuela Strube (Vierte von links) überreichte den Förderbescheid an Kämmerer Martin Wilhelm. Das freut alle, die Anteil haben an der Entstehung des neuen Frauen- und Kinderhauses. © Schade, Veronika

Das seit rund 30 Jahren bestehende Frauenhaus deckt nicht den Bedarf an Schutzunterkünften für Offenbach, entspricht nicht mehr den Anforderungen.

Offenbach – Es ist ein weiterer Schritt auf einem langen, durchaus mühevollem Weg – aber ein erfreulicher: Die Stadt Offenbach erhält einen Förderbescheid vom Land Hessen zum barrierefreien Bau des neuen Frauen- und Kinderhauses. Diesen Bescheid über Mittel in Höhe von 750 000 Euro übergab Manuela Strube, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, an Offenbachs Kämmerer und Sozialdezernent Martin Wilhelm (beide SPD).

Bereits Anfang des Jahres war Sozialministerin Heike Hofmann zu Gast im Offenbacher Rathaus, um einen Förderbescheid in Höhe von 1,3 Millionen Euro zu überreichen. Notwendig, um dem internationalen Abkommen zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt, der Istanbul-Konvention, Rechnung zu tragen. Diese verpflichtet unter anderem dazu, Schutzräume wie Frauenhäuser in ausreichender Zahl vorzuhalten. Mindestens 179 200 Frauen wurden in Deutschland 2023, so die Statistik, Opfer häuslicher Gewalt. Laut einer Frauenhausstatistik, ebenfalls aus dem Jahr 2023, gibt es bundesweit rund 7 700 Plätze – bloß ein Drittel der Plätze, die nach der Istanbul-Konvention benötigt werden. Diese besagt, dass pro 10 000 Einwohner ein Frauenhaus-Zimmer geschaffen werden muss.

Offenbacher Frauenhaus: Platz für Rückzug, aber auch Gemeinschaft

Von diesem Anspruch ist Offenbach weit entfernt. Das vor rund 30 Jahren eröffnete, vom Trägerverein Frauen helfen Frauen betriebene Frauenhaus platzt aus allen Nähten. Die Zahl schutzbedürftiger Frauen und Kinder ist beständig hoch, steigt leider sogar, während das Platzangebot stagniert. Abweisungen sind nahezu an der Tagesordnung. „Wir haben zwölf Zimmer, auf die wir die Frauen zusammen mit ihren Kindern aufteilen müssen“, sagt Mitarbeiterin Laura Dinger. „Die Bedingungen sind sehr beengt.“ Nicht nur räumlich, auch baulich erfüllt das bisherige Frauenhaus längst nicht mehr die Anforderungen.

So ist es nicht barrierefrei. Behindertengerechtigkeit und Barrierefreiheit wiederum sind zentrale Aspekte im neuen Gebäude. Und für diese werden die weiteren Fördermittel im Rahmen der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention gewährt. Für Kämmerer Wilhelm sind sie eine wichtige zusätzliche Einnahme, die er nicht ungenutzt lassen will. „Zumal es nicht viele Frauenhäuser mit diesem dringend benötigten Angebot gibt. Damit schließen wir eine Lücke“, sagt er. Gerade Frauen mit Beeinträchtigungen sind besonders oft Opfer häuslicher Gewalt. „Diese konnten wir bisher nicht aufnehmen“, bedauert Dinger.

Das neue Gebäude wird fast eine Vervierfachung der Fläche gegenüber dem jetzigen bieten. Aber keine Vervierfachung der Plätze, wie die Trägervereins-Vertreterinnen erläutern. 16 bis 17 Zimmer soll es geben, darunter Familienzimmer und ein Notbettzimmer. Und endlich adäquaten Platz für Gemeinschaftsräume sowie Rückzugsmöglichkeiten, die bislang fehlen, die Frauen in Gewaltsituationen aber dringend brauchen. Dazu kommen Arbeits- und Lagerungsräume für Hauswirtschaft, Beratung und pädagogische Arbeit.

Die Gesamtkosten für das neue Frauen- und Kinderhaus sind trotz der rund zwei Millionen Euro an Fördermitteln nicht gedeckt, die geschätzte Summe liegt bei etwa sechs Millionen – umso wichtiger, jede Fördermöglichkeit zu nutzen, sind sich die Verantwortlichen einig. Zuständig ist die Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG. Selbstverständlich wird über den Standort zum Schutz der künftigen Bewohnerinnen Stillschweigen bewahrt. Die Suche gestaltete sich schwierig, musste doch eine Vielzahl spezieller Anforderungen erfüllt werden. Ohne Kompromisse ging es nicht. Es handelt sich um keinen Neubau, sondern um ein zu sanierendes Bestandsgebäude. „Wir rechnen mit etwa anderthalb Jahren bis zur Eröffnung“, sagt Projektleiterin Desiree de Visser von der OPG.

Noch sei man „mitten auf dem Weg“, sagen Laura Dinger und Marie Bonaventura von Frauen helfen Frauen. Sie sind dankbar, als Trägerverein von Anfang an in den Prozess involviert zu sein. „Es bedeutet viel Arbeit, ist aber etwas Besonderes, die Entstehung eines neuen Frauenhauses nach 30 Jahren begleiten zu dürfen.“ Das mache viel Freude, das Ziel werde nun immer greifbarer. Die Barrierefreiheit bedeute neue Möglichkeiten, aber zugleich eine besondere Verantwortung, auf die sie und ihre Kolleginnen sich etwa durch Fortbildungen vorbereiten. Nicht nur bewegungseingeschränkte Personen, sondern etwa auch blinde Bewohnerinnen werden bei der Planung bedacht: „Es soll ein rundum inklusives Haus sein.“ (Veronika Schade)

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